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Neben Print, Radio und TV hat sich das Web mittlerweile als eigenständiges, viertes Medium etabliert. Genau so, wie das Radio nicht die Zeitungen verdrängt hat, und das Fernsehen nicht das Radio, wird auch das Internet keines der genannten Medien ersetzen.
Der nachhaltige Erfolg des World Wide Web basiert noch immer auf seinem ursprünglichsten Grundelement, dem Hypertext. Über die Hyperlinks geschieht die Vernetzung der einzelnen Web-Seiten zu diesem einzigen riesigen Informations-Pool, welcher das vierte Medium vor allem auszeichnet. Ein Merkmal, das es sowohl für die private wie für die professionelle Nutzung unersetzlich macht.
Im Print-Bereich besteht 'Navigation' weitgehend aus dem Weiterblättern zur nächsten Seite. Ganz anders im Internet, wo sich der User in allen Dimensionen durch das Informations-Angebot bewegt. Dies impliziert ganz neue Schwerpunkte:
o Organisation der Navigation
o Darstellung der Links
o Information über die Ziele der Links
Die unerwartete Komplexität der Aufgabe führte in den USA zu einem neuen Berufsbild: Der Information Architect sorgt dafür, dass der neue Rohstoff 'Content' so organisiert wird, dass die User möglichst hürdenlos zu ihren unterschiedlichen Zielen finden.
Die bereits allgemein anerkannte Wahrheit, dass eine Website etwas grundsätzlich anderes ist als eine Print-Broschüre, rührt vor allem daher, dass eine gedruckte Seite auf einen Blick erfasst werden kann: Da sind sie, die News! Eine Website ist niemals so übersichtlich und erschliesst sich erst über die Interaktivität, über Klicken und Scrollen, über Aktionen und Reaktionen.
Die Organisation von Nutzungen und Funktionen, die Aufgabe, dem User die Orientierung zu erleichtern und ihn intuitiv zum Ziel zu geleiten, ist traditionell eine architektonische, keine grafische Arbeit. Warum? Betrachten wir uns ganz kurz Ihre Website-Besucher:
Der eine hat einen kleinen Notebook-Bildschirm, der andere ist mit einem 21"-Screen ausgerüstet, und der dritte hat mehrere Browser-Fenster gleichzeitig neben- und übereinander geöffnet. Von Print-Grafikern gestaltete Websites erkennt man nun typischerweise daran, dass sie nur bei 800x600 Pixeln Bildschirmgrösse 'passen' - bei grösseren Formaten 'kleben' sie starr am linken Rand und lassen rechts eine breite Lücke frei. Und bei kleineren Monitoren werden rechts wichtige Dinge wie Navigations-Elemente einfach abgeschnitten.
(Zahlreiche Sites wurden von Amateur-Webdesignern ebenfalls für den 800x600-Multimedia-Standard entworfen, jedoch ohne den 'Browser-Chrome' zu berücksichtigen - die üblichen Browser-Ränder und die Scroll-Bar auf der rechten Seite. So muss der User dann jeweils noch um ein, zwei Fingerbreit nach rechts scrollen, um alle Inhalte zu erfassen... )
Doch der Horror für den Frontpage- oder Dreamweaver-bewehrten Grafik-Designer hat damit noch kein Ende: Sein Geneva-Font existiert standardmässig nur auf dem Mac, auf der Windows-Plattform wird stattdessen der Helvetica-Verschnitt Arial verwendet. Futsch sind alle Formatierungen und die präzisen Setzungen.
Und die grossen Fotos, mit denen in der Firmenbroschüre geworben wird? Das Breitband-Internet ist doch im Kommen, da sollten Ladezeiten bald keine Rolle mehr spielen, oder? Ganz verkehrt. Die Breitband-Theorie ist eine der grössten Legenden des Internet-Hype. Noch sehr lange werden viele, vor allem heimbasierte User, über kostenpflichtige, vergleichsweise langsame Modems surfen, oder gar vom Hotel aus über ihr Mobiltelefon - Bilder über 20 kB liegen da kaum drin und erregen oft nur den Zorn Ihrer Besucher - und die nächste Site ist immer nur 1 Klick entfernt!
Eine Website, ausser es handelt sich um eine Kunstgalerie oder eine erklärte Multimedia-Präsentation, hat also weniger Grafiken, kleinere Bilder... und was ist mit den Texten? Richtig, auch diese sind im allgemeinen kürzer als ihre Druck-Pendants. Am Bildschirm liest es sich weniger angenehm als auf einer gedruckten Seite, und es gibt ungleich mehr Ablenkungen über weitere geöffnete Browser-Fenster, andere Programme, Hyperlinks...
Als Zusammenfassung dieses Artikels geben wir dem vielzitierten Usability-Experten Jakob Nielsen das Wort:
'Jedes grossartige Print-Design ist meistens ein miserables Web-Design. Die zwei Medien unterscheiden sich so stark, dass zwei grundsätzlich verschiedene Design-Ansätze erforderlich sind, um deren jeweilige Stärken zu nutzen und die Schwächen zu minimieren.'
Lesen Sie hierzu auch: Weniger E-Commerce, mehr Information
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